„Im Darkroom sind alle Schwarzafrikaner grau — Michi Rüeggs „Ab 18 Jahren“ handelt von … – ach Gott, wie soll man das jetzt jemandem erklären, wovon dieses Buch handelt, ohne gleich die ganze Überraschung zu versauen? Man könnte vielleicht so sagen: Was Charlotte Roche für die Popularisierung der weiblichen „Feuchtgebiete“ getan hat, das leistet Michi Rüegg für … Nein, könnte man doch nicht sagen. Denn damit der Vergleich stimmt, müsste ja nun irgendwas folgen wie „leistet dieser Autor für die männliche Trockensavanne“, und das würde Sie, liebes Lese-Publikum, mit Sicherheit auf eine falsche Fährte voll noch falscherer Erwartungen locken.

Auch die Erwähnung der Tatsache, dass sogar ein paar Tiere in M. Rüeggs Sammlung „polysexueller Weisheiten“ (Untertitel) vorkommen, führt eher zu Missverständnissen als zu irgendetwas anderem. (Bei den Tieren handelt es sich u.a. um eine Wespenspinne und den Gecko Heteronotia binoei, nur dass Sie es wissen.) Es geht darin aber auch um einen Schwarzafrikaner, der einen Freund des Autors im Darkroom eines Gay-Clubs anal penetriert.

Allerdings nicht einfach nur so zum Vergnügen, sondern in Anführungszeichen („’Kürzlich ließ sich ein Freund von mir im Darkroom eines Gay-Clubs von einem Neger in der Arsch ficken.’“, S. 49f.); und somit läuft auch die Pointe dieser Geschichte etwas anders, als man auf den ersten unbedarften Blick vermuten würde. – Kurz: Am besten, liebe Leserin und lieber Leser, sie lesen das Buch einfach selber. Lesen ist wie Kino im Kopf. Und darum ist Michi Rüeggs Buch auch erst „ab 18 Jahren“. Sehr empfindsame LeserInnen mögen sich an manchen Stellen vielleicht sogar gewünscht haben, es wäre erst ab 19. Wennsiwüssedwienimein. Aber bitte nicht, dass Sie das jetzt auch wieder falsch verstehn.“

Peter Schneider („P.S.“, SonntagsZeitung)